30. Jänner 2023
Anne Elisabeth Höfler

Über das Wesentliche miteinander reden. Fragen als Türöffner

„Wir reden viel und sagen doch wenig“, höre ich oft von meinen Kund:innen. Beim Nachfragen was damit gemeint sei, kommen überraschend einfache Antworten:

  • Ich möchte gerne, dass mit mir geredet wird, und nicht über mich.
  • Auch mich bewegen die Themen, Herausforderungen und Probleme und ich mache mir dazu auch Gedanken – das interessiert jedoch nicht.
  • Veränderungen betreffen auch mich und lösen viel in mir aus.

Über das, was die Menschen wirklich bewegt, wird offenbar letztlich wenig miteinander gesprochen.

 

 

Ein freundlich zugewandter Umgang miteinander steigert die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens nachhaltig.

Menschen in Unternehmen sind keine Maschinen, auch wenn sie eine Funktion ausüben und Rollen wahrnehmen. Menschen wollen als Person mit ihren Meinungen und Gefühlen gesehen werden. Voraussetzung ist eine Kultur der Kommunikation – insbesondere des Dialogs – miteinander.   

Auf der sachlogischen Ebene agieren Führungskräfte und Mitarbeitende in der Regel sehr professionell. Die kulturell-dialogische Dimension des Umgangs miteinander wird gerne als „Soft Fact“ abgewertet, obwohl mangelnde oder fehlgeleitete Kommunikation häufig die Ursache von Scheitern ist.

Unsere jetzige Arbeitswelt fordert Selbstorganisation, Selbstverantwortung und Resilienz. Das kann nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten mit den Herausforderungen auseinandersetzen, eine eigene Position finden und darüber miteinander ins Gespräch kommen.

 

Fotocredit: Anne Elisabeth Höfler

Wenn ich was erfahren will, so sollte ich fragen!

Fragen sind wunderbare Türöffner um miteinander ins Gespräch zu kommen. Angelehnt an das Konzept der Existenzanalyse hier beispielhaft einige Fragen, die Grundbedürfnisse von Menschen in den Blick nehmen. Dies ist eine Grundvoraussetzung, dass Menschen sich aktiv einlassen und beteiligen.

  • Fragen zum Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit: Wie gut können Sie ihre Aufgaben ausführen? Steht Ihnen alles Notwendige zur Verfügung? Wie gut wird Ihnen vertraut?
  • Fragen zur Zusammenarbeit und dem Miteinander: Wie sehr mögen Sie was Sie tun? Freuen Sie sich auf die Arbeit, die Kolleg:innen oder kostet es Sie Überwindung?
  • Fragen zur Kompetenz und zum Potential: Wieweit wird die Aufgabe und die Organisation Ihnen gerecht? Werden Sie gesehen und gehört? Ist Ihre Meinung gefragt?
  • Fragen zur Beteiligung und nach Perspektiven: Welchen Sinn finden Sie in Ihrer Tätigkeit? Was wäre, wenn Sie Ihre Aufgabe nicht erfüllen würden? Was wollen Sie?

Fragen mit ehrlichem Interesse gestellt sind wunderbare Türöffner um über das Wesentliche miteinander ins Gespräch zu kommen. Dazu braucht es die Haltung der Offenheit und das ehrliche Interesse für das, was andere denken und erleben. Wenn Menschen so miteinander ins Gespräch kommen, finden sie Wege und Lösungen, die dann auch gemeinsam mitgetragen werden.

Fotocredit: Anne Elisabeth Höfler

Impulsfragen

  • Wann habe ich das letzte Mal mit meinen Mitarbeitenden oder der Führungskraft über das Wesentliche gesprochen?
  • Was ist in Bezug auf die Person bzw. das Team das Wesentliche, das wir besprechen sollten?
  • Was ist aus meiner Sicht richtig und sinnvoll? Was werde ich tun?